Familienarchiv Otte/Gericke/Doland

Dieses Familienarchiv besteht aus einem ungewöhnlich gestalteten Fotoalbum, das ich 2015 auf einem Berliner Flohmarkt erworben habe, in einem schlechten Zustand, zerfleddert, mit herausgelösten und eingelegten, vielleicht nicht zugehörigen Fotos. Viele der zum Teil dicht besetzten Seiten sind jeweils einer Person oder einem Paar gewidmet und enthalten Bilder von verschiedenen Stationen ihres Lebens. Besonders deutlich und anrührend wird das auf Seite 5, auf der ein Säugling von wenigen Wochen zu sehen ist, daneben das Mädchen als lächelndes Kleinkind, darunter auf den Totenbett, schließlich die Trauergemeinde und der Grabstein: Gitte.

Das Album umfasst einen Zeitraum von etwa den 1890er bis zu den 1970er Jahren und wurde vermutlich von mehreren Generationen einer Familie angelegt und weitergeführt, die sich nicht identifizieren lässt. Fotos von Grabsteinen nennen Gerhard (3.1.1915-17.5.1953) und Helene Otte, geb. Kuschel (12.2.1886-25.2.1945; S. 25), Wilhelm (geb. 22.10.1859) und Ernestine Priefert, geb. Kahl (18.11.1859-24.2.1928; S. 43). Auf der Rückseite eines losen Fotos mit einem Kleinkind namens „Bubi“ steht: „Zum Andenken an Deinen Großneffen Herbert Gericke 1911“. Einige der eingeklebten Fotos enthalten ebenfalls rückseitige Beschriftungen, wurden bisher aber nicht abgelöst. Ein nachträglich eingefügtes Blatt enthält Bilder aus dem Leben eines Norbert M. Doland (S. 52f.). Ein loses Hochzeitsfoto, bei dem Kinder ein Schild mit der Aufschrift „Osten, Süden, Westen, Norden, Alle sind wir einig worden, Reichen uns die Bruderhand, Weil der Führer uns verband“ halten, trägt umseitig bislang nicht entzifferte Notizen (S. 51). Männer in Uniformen („Kaiserliche Marine“, Hakenkreuzbinde etc.) sind häufig, Ortsbestimmungen kaum möglich. Ein Besuchergruppenfoto stammt von den Feengrotten in Saalfeld (S. 30), ein anderes mit einem Menschen im Bärenkostüm aus Berlin (S. 7). Das Umfeld der überwiegenden Fotos ist aber eher ländlich-dörflich.