Tagebuch von August Wilhelm Gildemeister 1813-1815

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Die vollständige Transkription des Tagebuches ist nicht länger verfügbar. Wir haben sie zum Überarbeiten von dieser Website entfernt und hoffen, dass wir bald eine kritische und kommentierte Edition des Textes vorlegen können.

August Wilhelm Gildemeister wurde am 26. März 1791 als Sohn des Bremer Kaufmanns und Senators Johann Gildemeister (1753–1837) und der Gerbetha geb. Wilckens (1763-1808) in Bremen geboren. Nach seiner Teilnahme an den Befreiungskriegen, vor der er in seinem Tagebuch berichtet, ging er mit seinem aus Marburg stammenden Freund Wulf Ludwig Ries in die USA und gründete dort im Jahr 1817 die Textilhandelsfirma Gildemeister&Ries. 1826 kamen sie nach Bremen zurück und engagierten sich auch im Reedereigeschäft, aus dem 1897 die Visurgis AG hervorging. Gildemeister war verheiratet mit Auguste geb. Nettmann (1805-1890), hatte mit ihr mehrere Kinder und starb in Bremen am 16. Mai 1866.
Das Tagebuch (in Privatbesitz) ist eine Abschrift, die vermutlich nach Gildemeisters Tod angefertigt wurde, denn auf der letzten Seite steht klein das Datum 27.7.1867. Der Ledereinband (17,5 x 21,5 cm) trägt als goldgeprägten Titel: A. W. Gildemeister. Erlebnisse in den Jahren 1813 u. 1815. Der Inhalt besteht aus zwei separat paginierten Texten (mit 17 Leerseiten dazwischen), der erste ist überschrieben mit Tour mit der Ehrengarde im Jahr 1813 (S. 1-191), der zweite Text (S. 1-168) trägt keinen Titel. Die Schrift ist sauber, gleichmäßig, gut lesbar, aber an zahlreichen Stellen nachträglich (?) mit Bleistift korrigiert oder ergänzt, vor allem bei französischen Wörtern und Namen. Das Tagebuch wird an dieser Stelle zum ersten Mal veröffentlicht.
Bremen war seit 1806 von napoleonischen Truppen besetzt und 1811 unter französische Herrschaft geraten. Napoleons Niederlage im Russlandfeldzug 1812 weckte die Hoffnung auf eine Befreiung. Es kam zu Unruhen in der Stadt, die General Dominique Joseph Vandamme aber mit großer Härte niederschlug. Vor diesem Hintergrund ist auch die Aushebung von Söhnen wohlhabender Bremer Bürgersfamilien und die Formierung der kaiserlichen Ehrengarde zu sehen – wenige Wochen vor Napoleons Niederlage in der sogenannten Völkerschlacht bei Leipzig vom 16.-19. Oktober 1813.
Als Napoleon im März 1815 von seiner Verbannung auf Elba nach Frankreich zurückkehrte und eine erneute französische Aggression zu befürchten war, formierten sich vielerorts in Deutschland Einheiten zur Verteidigung. So auch in Bremen.