Mitteilungen des Vereins Arbeiterpresse (1900-1905)

Angesichts der kriegsbedingten Zerstörung großer Mengen archivalischen Materials zur Geschichte der deutschen Sozialdemokratie vor 1945 nehmen die überlieferten Druckerzeugnisse einen besonders hohen Stellenwert ein.
Sie sind erschlossen durch das von Gerhard Eisfeld und Kurt Koszyk herausgegebene Repertorium “Die Presse der deutschen Sozialdemokratie. Eine Bibliographie”, 2., überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1980.

Für eine Recherche war ich auf der Suche nach den ersten Jahrgängen der “Mitteilungen des Vereins Arbeiterpresse”, die seit 1900 zunächst in Halle/Saale, dann in Leipzig und seit 1903 in Berlin erschienen.
Während die Zeitschriftendatenbank (ZDB) in deutschen Bibliotheken nur die Jahrgänge ab 1905 nachweist, finden sich bei Eisfeld/Koszyk fünf Bestände ab 1900, und zwar in der Berliner Staatsbibliothek, der Bonner Friedrich-Ebert- Stiftung, dem Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse in Dortmund sowie in der Berliner Parteihochschule Karl Marx und dem Institut für Marxismus- Leninismus-Forschung.

Die Angaben über die meisten dieser Bestände sind unzutreffend. In der Berliner Staatsbibliothek beginnt der erste Mikrofilm mit der Ausgabe Nr. 48 (1905). Auch die Friedrich-Ebert-Stiftung und das Dortmunder Archiv besitzen die ersten Jahrgänge der “Mitteilungen” nicht. Die Parteihochschule und das Institut für Marxismus-Leninismus-Forschung gibt es nicht mehr, ihre Bibliotheksbestände sind teilweise in den Besitz der Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv (SAPMO, http://www.bundesarchiv.de/bundesarchiv/organisation/sapmo/index.html.de) übergegangen. Hier finden sich tatsächlich, ohne einen entsprechenden Nachweis in der ZDB, durchgehend auch die ersten Jahrgänge der “Mitteilungen” aus dem ehemaligen Bestand des Instituts für Marxismus-Leninismus- Forschung. Die erste Ausgabe vom 23. Januar 1900 enthält die Bekanntmachung über die Konstituierung des Vereins, dessen Statuten sowie eine Liste der 65 Gründungsmitglieder. Im folgenden werden in jeder Ausgabe die neuen Mitglieder aufgezählt, in größeren Abständen auch alle in dem Verein zusammengeschlossenen Personen. So lässt sich ein recht genaues Bild von der jeweiligen Zusammensetzung der Interessensvertretung bis zu ihrem Verbot im Jahr 1933 rekonstruieren.

Die Ausgabe vom 26. Juli 1902 enthält eine Liste aller 299 Miglieder, zu denen u.a. Persönlichkeiten wie Clara Zetkin, Curt Eisner, Franz von Mehring und Albert Südekum gehörten.

Transkription der Mitgliederliste aus den Mitteilungen des Vereins Arbeiterpresse von 1902

Mitgliederliste aus den Mitteilungen des Vereins Arbeiterpresse in der Ausgabe vom 26. Juli 1902